„Ich nehme allgemein bekannte und gültige Bilder und versuche mit ihnen etwas anzustellen, um sie in neuem Licht erscheinen zu lassen. Es geht mir um die Erzeugung von Irritationen der subjektiven Wahrnehmung, die dazu anregen, alles bisher empfundene und geglaubte ebenfalls zu überdenken, anzuzweifeln und von einem neuen Blickwinkel zu sehen.
Es müssten dies nicht zwingend berühmte Gesichter sein, sie eignen sich nur so hervorragend aufgrund ihres hohen, auch emotionalen Wiedererkennungspotenzials. Genauso gut könnten es Autos, Schuhe oder Möbelstücke von Ikea sein.“
Das frei zugängliche Bildmaterial aus dem Internet dient dem österreichischen Künstler Smitty Brandner als Ausgangspunkt für seine Malereien. Oft sind es sehr populäre Fotos, die er am Computer solange bearbeitet und generiert, bis sie als Vorlage für die Umsetzung auf Leinwand, Papier oder andere Bildträger geeignet erscheinen.
Es geht dem Künstler um die subtile Hinterfragung vom Stellenwert allseits bekannter und gültiger Bilder und deren Rolle in unserer Gesellschaft, um inszenierte Realitäten als allgemein anerkannte, verfüg- und reproduzierbare „Ware“ und letztlich um den unreflektierten persönlichen Umgang damit.
Zum Spiel mit den verschiedenen Ebenen von manipulierter und subjektiver Realität kommt noch das Spiel mit den optischen Realitäten bei der Bildumsetzung. Einmal werden die Bildvorlagen in einer Art reduziert, wie sie die Schablonen-Sprayer der Street-Art verwenden, um dann ganz blass, geisterhaft und fast nur als Schatten auf bemoosten und abgewitterten Zeltplanen zu erscheinen. Ein andermal bewegen sich die Bilder im Spannungsfeld zwischen der grafischen Anschauungsweise der computergenerierten Bildvorlagen und der gestisch betonten und lebendigen Malerei in der Umsetzung. Dann wieder irritieren Bilder mit übereinander gelegten, homogenen Farbflächen durch eine scheinbar auftretende, pulsierende Bewegung beim Betrachten.
Verbindendes Element ist immer die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks und essentielle Reduktion. Physiognomien werden akribisch zum „Logo“ aufgearbeitet,– bis hin zu einer Art „Branding“ der Gesichter. Das gewährleistet die hohe Wiedererkennbarkeit trotz „verfremdender“ Eingriffe,– sie ist ein wesentlicher Teil des gedanklichen Konzeptes. Und allen Werken eigen ist auch die unikale Qualität der handwerklichen künstlerischen Umsetzung die den höchsten ästhetischen Ansprüchen des Künstlers folgt und immer ganz klassisch, mittels Pinsel und Farbe, stattfindet. Er verzichtet auf jegliche Form von vervielfältigenden Druckverfahren oder standardisierten Produktionsweisen.